Zu alt für schlechten Whiskey
Von seiner fixen Idee, eine schöne Apothekerin kennen zu lernen und zu heiraten, ist Peter abgekommen. Seitdem sind grundsätzlich wieder alle Frauen zwischen 50 und 85 für ihn interessant. Also, Kilo.
T-Kreuzung des Lebens
In Schwabings Altem Simpl wollte sie mich treffen, meine neue Damenbekanntschaft, so zum gegenseitigen verbalen Abtasten und so. Vielleicht verstehen wir uns und besuchen in den nächsten Jahren Möbelhäuser und Standesämter, oder aber wir sehen uns nie wieder.
Immer eine kleine T-Kreuzung des Lebens, so ein Treffen.
Noch weit bevor ich in die Türkenstraße einbog, sprang mir die Schlagzeile einer bekannten Boulevardzeitung (nein, nicht die ganz bekannte) ins Gesicht:
"KRANKENHAUS-SKANDAL! Tote Frau (85) neben Klo abgestellt!"
Na ja, liebe TZ, dachte ich, ist so etwas jetzt auch schon ein Skandal? Ehrlich?
Mir ist schon klar, dass es unter "Katastrophe", "Sensation" oder eben "Skandal" kaum noch geht, aber eine tote alte Frau im Krankenhaus? Taugt nicht mal zum Skandälchen.
Die feine Englische ist es freilich nicht und vielleicht auch pietätlos, aber für so eine Schlagzeile hätte die tote Frau schon mindestens zwei Stunden Aufzug fahren müssen.
Oder im Klo abgestellt werden müssen, dort aber einen halben Tag.
Oder man stelle sich vor: "Tote Frau (85) für Klo abgestellt!" Das wäre eher einen Aufreger wert, und zwar in doppelter Hinsicht: Patienten, die nicht mal mehr leben, werden in deutschen Krankenhäusern für Dienste eingeteilt. Vielleicht war es ja auch so, und auf dem Weg zu ihrem Job … nein, so war’s bestimmt nicht.
Überhaupt, was soll das überhaupt: "… neben Klo abgestellt!" Die Toilette ist im Allgemeinen schwer integriert in der Gesellschaft, das zieht sich durch quasi alle Gesellschaftsschichten, sie ist nichts Böses oder Schlechtes sondern schlicht etwas Praktisches.
In verwinkelten Kneipen ist der Platz in Klonähe der beste, weil man sieht, wer alles da ist.
"Messerstecherei um Platz in Klonähe!" – eine Schlagzeile, auf die wir gewiss nicht mehr lange warten müssen.
Letztendlich ist es doch so: Keiner wurde verletzt, bedroht, betrogen oder sonst etwas. Selbst die Sensationen des Boulevards waren schon mal interessanter.
Ich hielt es für einen gelungenen Gesprächseinstieg, meinem Date-Gegenüber gleich von der Schlagzeile und meinen zugehörigen Gedanken zu berichten, ein raffinierter Wellenlängentest sozusagen.
Womit ich nicht rechnete: Ich erntete einen 40-minütigen Monolog über die Zustände in deutschen Krankenhäusern. Dabei war sie Floristin und ich froh, dass ich zuvor keine Schlagzeile über verwelkte Blumensträuße (Skandal!) gelesen hatte.
Ich tat das, was ich immer tu, wenn ich im Alten Simpl bin: Ich betrank mich. Das funktionierte sogar trotz meines unentwegt schnatternden Gegenübers hervorragend.
Schließlich wurde mir ihr Gequatsche dann doch zuviel: sie hat den Test nicht bestanden. Ich den ihren vermutlich auch nicht.



» 26.02.08, 16:53 Uhr: Oh herrje, von Floriiina
» 17.02.08, 01:54 Uhr: herrlich von antoniadiewundervolle